Willkommen mitten im Leben - Taunus-Zeitung (18.01.2010)
Bad Homburg. Familienunterstützender Dienst der Lebenshilfe bietet Wohnen auf Zeit auch für Kinder an – Entlastung für Eltern behinderter Kinder.
Menschen mit geistiger Behinderung können ab sofort für einige Tage oder auch Wochen in der neuen Wohnung des Familienunterstützenden Diensts der Lebenshilfe rund um die Uhr betreut werden. Die Nachfrage ist groß.
Hell und freundlich ist die 85 Quadratmeter große 2-Zimmerwohnung im Hessenring 98 a. Bis zu vier Menschen mit geistiger Behinderung können dort für einige Tage oder Wochen wohnen. Betreut werden sie von Mitarbeitern des Familienunterstützenden Diensts (FUD) der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. Da die Wohnung so zentral gelegen ist, können die Kinder von den Betreuern zur Schule, die Erwachsenen zu den Oberurseler Werkstätten gebracht und abgeholt werden. «Damit werden Freiräume für die Eltern geschaffen», sagt Elke Dünnebeil, Leiterin des Familienunterstützenden Dienstes. «So schließen wir eine Versorgungslücke», sagt sie.
Bisher habe es für Eltern lediglich die Möglichkeit gegeben, ihre Söhne und Töchter über einen Kurzzeitpflegeplatz in ein Heim zu geben. Für Kinder gebe es das Angebot nicht. Die Wohnung des Familienunterstützenden Dienstes bietet eine mehrtägige Betreuung mit Übernachtung jedoch nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche an. Die Finanzierung übernimmt die Pflegeversicherung. «Über die kann man im Jahr 14-Tage finanzieren», sagt Dünnebeil. Die Verpflegungskosten und die Miete werde über den Verein abgerechnet, der auf Spenden angewiesen ist. Die Einrichtungskosten für die Wohnung hat die Hans-Magiera-Stiftung übernommen.
Der Bedarf der Eltern nach einer Betreuungs-Auszeit ist groß. Beim Tag der offenen Tür besichtigten über 40 betroffene Eltern die Wohnung. Anmeldung für die mehrtägige Betreuung mit Übernachtung erhielt der FUD aber auch schon davor, ohne Besichtigung.
Die Mutter von Jens war seit der Geburt ihres Sohnes nicht mehr alleine im Urlaub. Jens ist 22 Jahre alt, er lebt zu Hause, sitzt im Rollstuhl, ist mehrfach behindert und bedarf intensiver Betreuung. «Die Wohnung ist eine ganz wichtige Einrichtung», sagt seine Mutter und fügt hinzu: «Sie ist das fehlende Puzzleteil. Es ist ein Glücksfall, weil sie mitten im Leben angesiedelt ist.» Die Menschen mit Behinderung könnten von dort aus die Angebote der Lebenshilfe nutzen, einkaufen und in den Kurpark gehen. «Die Entlastung ist für die Eltern wichtig», weiß auch Vorstandsmitglied Ellen Schumann, die eine 34-jährige behinderte Tochter hat.
Für die Menschen mit geistiger Behinderung sei die Wohnung sehr wichtig, weil sie sich dort anders geben als daheim. «Es ist für sie eine Herausforderung, aus dem häuslichen Umfeld herauszukommen und andere Dinge zu erleben. Sie erfahren ein Stück Abnabelung. Daran können sie sehr wachsen», so Schumann.
«Das Behindertenangebot ist neu für Bad Homburg. Die Stadt hat zusätzlich kaum etwas für Menschen mit Behinderung zu bieten», so Schumann. Doch mit der Wohnung sei ein Anfang gemacht.
Anfragen und Anmeldung unter Telefon (0 61 72) 2 05 71.
(Sophia Bernhardt)