Rekordteilnahme beim Zimmersmühlenlauf - Oberurseler Woche (03.09.2009)
Oberursel. Unglaubliche 1321 Teilnehmer hatte der vierte integrative Zimmersmühlenlauf. Aus dem Startgeld können die Oberurseler Werkstätten rund 9000 Euro zurücklegen, um einen Entspannungsbereich für schwerstbehinderte Mitarbeiter in der neuen Tagesstätte einzurichten.
Läufer mit Zylinder, mit Stöcken und Rollstühlen, Kinder wie der kleine Aaron in der ersten Reihe und ältere Semester, die einfach Spaß am Mitmachen hatten, Athleten, die den Lauf als Trainingseinheit nahmen und Figuren, denen man ansah, dass sie sonst mit Sport nicht so viel im Sinn haben, Vereins-, Betriebs- und Behördenmannschaften in erstaunlichen Stärken, sogar Kinderwagen und Hunde hatten sich zum Start aufgestellt – ein Ende des Feldes war nicht zu sehen. Unbeschreiblich das Bild und die Stimmung, als „Laufmoderator“ Ralf Thies von der Hattersheimer Schlocker-Stiftung musikalische Aufwärmübungen mit den Sprintern machte. Tausende Arme schwenkten in der Luft von links nach rechts und wieder zurück, die 1321 hopsten auf der Stelle und verrenkten sich. Mitten drin mit der „abonnierten Nummer 1“: Bürgermeister Hans-Georg Brum, der noch keinen Zimmersmühlenlauf ausgelassen hat. Daneben bereitete sich sein Kronberger Bürgermeister-Kollege Klaus Temmen mental auf die Herausforderung vor.
Um den Läufern den richtigen Schritttakt mit auf den Weg zu geben, zog die Jugend-Brassband des Vereins Frohsinn unter Stabführerin Caroline Wilkinson mit ihrem musikalischen Leiter Jens Stern trommelnd und blasend aus den Werkstätten auf die Straße. „Eine Insel mit zwei Bergen“ brauchten die Walker und Läufer nicht zu erklimmen, doch wenn sie gleich glaubten, ganz schnell gewesen zu sein fragten sie sich: „Wer hat an der Uhr gedreht?“ Brum beugte mit einem Hinweis auf das schwüle Wetter schon Mal vor. Doch um Zeiten ging es nicht. Viel wichtiger sei „das Zeichen, dass Integrationen in unserer Stadt ganz groß ist und Spaß macht, weil jeder Mensch ein gleich wichtiges Mitglied der Gesellschaft ist“.
Kreisbeigeordneter Uwe Kraft blickte auf die sensationelle Erfolgsgeschichte des Zimmermühlenlaufs zurück mit 427 Teilnehmern bei der Premiere anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Werkstätten 2006, 761 Läufern 2007, 931 in 2008 und nun bei geknackter 1000er-Grenze mit gleich 1321. Die stärksten Firmen waren Thomas Cook mit 124, der Hochtaunuskreis mit 59 und Rolls Royce mit 56 Läufern. Von den Vereinen stellten der Radfahrerclub Bommersheim mit 30, der Turnverein Burgholzhausen mit 23 und der Gesangverein Germania Weißkirchen mit 20 Leuten die größten Kontingente. Von den integrativen Einrichtungen waren natürlich die Oberurseler Werkstätten mit 87 Teilnehmern am stärksten vertreten vor der IB-Behindertenhilfe mit 38 und dem Sozialwerk Main-Taunus mit 19.
Statt des Startzeichen zu geben, übertrug Kraft diese Aufgabe Thies, zog sein Jackett aus und erhöhte das Hochtaunuskreis-Team auf 60. Die Krawatte abzunehmen, war keine Zeit mehr, so schnell rannte er mit dem Feld los. Zuerst starteten die 351 Walker über drei Kilometer (zwei Runden), dann folgten 116 Teilnehmer am integrativen Lauf über 1,5 Kilometer (eine Runde) und schließlich das große Feld von 854 Langstreckenläufern über sechs Kilometer (vier Runden). Als die Läufer wieder am johlenden Publikum am Start vorbeikamen, waren sie bunt gemischt. „Dieses Bild zeigt, was Integration bedeutet“, meinte ein Zuschauer. Der Schnellste nach der ersten Runde war Syrac Teferi vom Hauptlauf, doch bald ging auch schon als erster Integrationsläufer Salvatore Magonza übers Ziel. Der kleine Aaron hätte bestimmt alle abgehängt. Doch ausgerechnet beim Start musste er „Pippi“. Also nach zehn Metern zuerst mit Papa in ein Eckchen und dann nichts wie hinterher … Als alle im Ziel wurden in den Werkstätten mit Essen und Trinken , Line Dance vom Country- und Western-Club Bommersheim und fetzigem Rock von Macys Mob ausgelassen gefeiert.
„In der letzten Woche haben uns die Leute die Bude eingerannt“, berichtete Organisator Olaf Wehrheim. Er bestellte gleich T-Shirts nach, doch die kamen erst diesen Montag an. „Es sind hauptsächlich unsere eigenen Läufer, die noch eins kriegen“, beruhigte sich der Werkstätten-Mitarbeiter selbst. Glücklich ist er, dass der Erlös von rund 9.000 Euro die Finanzierung des 50.000 Euro teuren Entspannungsbereichs ein gutes Stück nähergebracht hat. Auch die Erlöse vergangener Läufe wurden angespart und durch Spenden aufgebessert.
So sehr Wehrheim sich über den Ansturm auf den Lauf freut, „sind wir doch an einem Punkt angekommen, wo wir überlegen müssen, ob wir eine breitere Laufstrecke ausweisen können oder den Hauptlauf abtrennen müssen.“ Da werde es bis zum kommenden Jahr etlicher Gedankenspiele und Gespräche bedürfen. Klar ist hingegen, dass die Startnummer „1“ schon wieder für den Bürgermeister Brum reserviert ist. „Außer Landrat Krebs macht mit“, so Wehrheim. „Dann wäre die 1 für ihn und der Bürgermeister hätte die 2.“
Bildunterschriften:
Oben: Beim Zimmersmühlenlauf wurde es beim Start dieses Jahr richtig eng, 1321 Starter hatten gemeldet und sorgten damit für eine Rekordbeteiligung beim vierten Lauf der Oberurseler Werkstätten.
Mitte: Auch Rollis und Mitarbeiter der Werkstätten beteiligen sich beim Lauf.
Unten: Bevor es richtig losging, wurde Stretching und Aufwärmtraining absolviert, das galt für jeden. Ganz vorne mit dabei war Bürgermeister Hans-Georg Brum.
Alle Fotos: ach
(ach)