Noch ein bisschen lockern . . . - Taunus-Zeitung (29.08.2009)

Oberursel.

... dann geht’s los – Rekordteilnahme beim 4. Zimmersmühlenlauf

Der integrative Zimmersmühlenlauf ist eine Erfolgsgeschichte par excellence: 1321 Läufer nehmen an dem sportlichen Spektakel teil.

Leichte Lockerungsübungen vor dem Start: So weit das riesige Feld der Teilnehmer zu überblicken ist, recken sich die Arme in die Höhe und wiegen sich locker zum Takt der Musik von links nach rechts.

«Keiner hatte mit über 1300 Teilnehmern gerechnet», versichert Verwaltungsleiter Olaf Wehrheim von den Oberurseler Werkstätten, die den Zimmersmühlenlauf zum vierten Mal ausrichten. Bei der Premiere 2006 waren 427 Läufer an den Start gegangen – 1321 Teilnehmer sind es diesmal. Und wegen des Ansturms muss Wehrheim den Läufern mitteilen: «Weil uns in den letzten Tagen die Bude eingerannt wurde, kommen die jetzt fehlenden T-Shirts erst in der nächsten Woche.» Denn so ein Shirt bekommt ein jeder, der beim Integrationslauf (1,5 Kilometer), Walking (3 Kilometer) oder auf der Langstrecke (6 Kilometer) an den Start geht.

Doch bevor es losgeht, ist die Reihe an der Jugendbrassband des Karnevalvereins Frohsinn, die mit dem «Lummerlandlied» und «Wer hat an der Uhr gedreht?» ihren Teil zur fröhlichen Atmosphäre beisteuert. Dann geht das Mikrofon an den Kreisbeigeordneten Uwe Kraft (CDU), der das Startzeichen geben soll: «Diese Teilnehmerzahl zeigt, wie beliebt nicht nur der Lauf, sondern auch die Werkstätten sind», gibt’s ein unverhohlenes Lob in Richtung Organisator.

Nachdem Kraft erst einmal die Walker und wenig später die behinderten Teilnehmer auf den Integrationslauf geschickt hat, verkündet er frohgemut, dass er selbst die letzte Nachmeldung sei. «Schließlich lasse ich mir nicht nachsagen, die Hauptamtlichen drücken sich», meint er augenzwinkernd und reiht sich gleich nach dem Startzeichen ins Feld derer ein, die im Hauptlauf die Distanz von sechs Kilometern bewältigen wollen.

Riesenstimmung auf und an der Strecke

Für die Umstehenden heißt es dann erst einmal warten. «Ich vermute, die Rollstuhlfahrer kommen als Erstes und haben die Walker überholt», sagt Moderator Ralf Thies von der Hattersheimer Schlocker-Stiftung. Doch da irrt er, denn es ist Syrac Teferi vom Hauptlauf, der als Erster aus dem ganzen Feld wieder am Start- und Zielpunkt in der Oberurseler Straße vorüberkommt, um sich gleich mal einen Becher zu trinken zu schnappen und in die zweite Runde zu starten.

Im nächsten Moment kommen die ersten gemischten Gruppen an, und während für die Behinderten das Rennen nun zu Ende ist, geht es für die beiden anderen Teilnehmerfelder noch weiter. Das Publikum wird nicht müde, die Starter mit Klatschen und «Auf!»-Rufen anzufeuern. «Topfit», bezeichnet Uwe Kraft seinen Zustand nach der ersten Runde und hat damit sein Tagesziel erreicht.

Der erste Walker, der die zwei Runden geschafft hat, ist Franz-Jürgen Seiter, kurz darauf folgt seine Frau Ursula: «Die Atmosphäre ist klasse!», zeigen sie sich von ihrer ersten Teilnahme an dem Spektakel beeindruckt. «Außerdem ist es einfach nett, dass es hier um nichts geht und sich auch Langsamere bemühen.» Daher will das Ehepaar auch 2010 wieder zum Lauf im Zimmersmühlenweg kommen.

Aus dem benachbarten Steinbach sind ebenfalls Walker dabei. «Wir gehen immer ins Bistro der Werkstätten, und daher sind uns deren Mitarbeiter bekannt», erzählen Hannelore Torge und Jochem Entzeroth, die zusammen mit Uli Torge, Ingrid Entzeroth, Sigrid Meier, Heidi Wendt und Erika Möller das Team der TuS Steinbach bilden. Daher sei es ihnen ein Anliegen gewesen, für sie zu laufen.

Auch diese Gruppe lobt die gute Stimmung und dass es trotz der vielen Personen frei von jedweder Rempelei sei. Und so geht es denn auch gleich mal rüber aufs Grundstück der Werkstätten, denn dort laden Essen- und Getränkestände zum Verweilen ein, der Bommersheimer Country- und Western-Club zeigt Line-Dance, bevor Macys Mob mit Rock-Songs einheizt und zum Tanzen animiert.

Die größten Startergruppen von Firmen waren in diesem Jahr: Thomas Cook (124 Läufer), Hochtaunuskreis (59) und Rolls-Royce (56). Bei den Einrichtungen führten die Werkstätten (87 Läufer) vor der IB-Behindertenhilfe (38) und dem Sozialwerk Main Taunus (19).

Die Reihe der Vereine führte der Radfahrclub aus Bommersheim (30 Läufer) vor dem Turnverein Burgholzhausen (23) und dem Gesangverein Germania (20) an. 854 Teilnehmer starteten beim Hauptlauf, 351 waren als Walker dabei und 116 beim Integrationslauf. Noch sind die Organisatoren am Rechnen – der Erlös der Veranstaltung, der für die Einrichtung eines Entspannungsraums für Schwerstbehinderte verwendet wird, steht also nicht fest.

Bildunterschrift:

Oben: Lockerungsübungen: Bürgermeister Klaus Temmen (Kronberg) und sein Oberurseler Amtskollege Hans-Georg Brum machten am Donnerstag gut gelaunt beim Aufwärmprogramm mit.

Mitte: Der Spaß stand im Vordergrund, auch bei der Wahl des Sportdresses.

Unten: Die Jugendbrassband spielte vor dem Start.

Fotos: Heiko Rhode

(Petra Pfeiffer)

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