Ganz groß im Geschäft - Taunus Zeitung (21.07.2009)
Friedrichsdorf. Oberurseler Werkstätten wollen sich auch 2010 um die Freibad-Bewirtung kümmern.
Seit 2007 kümmern sich die Oberurseler Werkstätten im Friedrichsdorfer Freibad um Würstchen und Co. Jetzt läuft der Pachtvertrag aus, doch die Zusammenarbeit soll weitergehen.
Wenn im Sommer die Warteschlangen vor den Verkaufsständen der Freibäder fast sekündlich anwachsen, ist Stress auf der anderen Seite der Bestelltheke vorprogrammiert. Mit einem kühlen Kopf und der nötigen Routine begegnen die Mitarbeiter der Oberurseler Werkstätten im Friedrichsdorfer Freibad diesen Anstürmen. Bereits im dritten Jahr kümmern sie sich um die Bewirtung der Schwimmbadgäste.
Im Jahr 2007 hatten sich die Oberurseler Werkstätten für die von der Stadt Friedrichsdorf ausgeschriebene Schwimmbadbewirtung beworben und dann auch den Zuschlag erhalten. «Es gab auch noch andere Bewerber, aber die Werkstätten hatten einfach das überzeugendste Konzept», erinnert sich Stadtrat Norbert Fischer (CDU). Der Stadt kam es zum einen auf eine gewisse Vielfalt an Speisen an: Für Kinder sollte etwas dabei sein, Gesundes sollte zum Angebot gehören, ganz im Gegenteil zu Alkohol – der steht im Friedrichsdorfer Freibad nicht auf der Speisekarte. Zum anderen legte die Stadt Wert auf eine ausgefeilte Organisation der Bewirtung. Alle Vorgaben konnten die Werkstätten aus Oberursel erfüllen.
In dem Schwimmbadverkauf arbeiten drei in Voll- und Teilzeit angestellte Frauen. Das restliche Personal wird von den Oberurseler Werkstätten aufgeboten. Elf Leute aus der Sozialeinrichtung im Alter zwischen 20 und 50 Jahre arbeiten den Sommer über im Schwimmbad. «Es gab in diesem Jahr schon einige Tage, an denen war es hier durch das tolle Sommerwetter proppenvoll», erzählt Karlheinz Roth, der als Betriebsleiter der Oberurseler Werkstätten das Personal für das Friedrichsdorfer Schwimmbad stellt.
In den Werkstätten, in denen gut 400 Frauen und Männer mit Behinderung tätigt sind, dazu noch über 100 Bedienstete (Zivis, Fahrer, Betreuer und Angestellte) hatte man die Tätigkeit für das Friedrichsdorfer Schwimmbad ausgeschrieben. «Unsere Voraussetzung war, dass die Bewerber lesen und schreiben können, weil sie auch an der Kasse eingesetzt werden sollen», berichtet Roth. Eigentlich seien die «Oberurseler Leute» für fast alle Tätigkeiten einsetzbar. Dazu zählen sowohl der allgemeine Service wie auch Arbeiten in der Küche, der Dienst an der Kasse, das Backen der Brötchen oder das Waschen und Bügeln der Wäsche.
Die Helfer sind in zwei Schichten von 7.30 bis 14 Uhr und von 14 bis 20.30 Uhr aktiv, und das an sieben Tagen in der Woche. Zur Arbeit kommen sie eigenständig. «Unsere Absicht ist es, die Leute fit für den Alltag zu machen, um sie in das normale Arbeitsleben zu integrieren», klärt der Werkstatt-Betriebsleiter auf.
Mit ihren Helfern sind Karlheinz Roth und seine Ehefrau Monika sehr zufrieden. «Die sind mit Spaß und Eifer bei der Sache», lautet ihr Lob. Für die Schwimmbadtätigkeit gibt es für die Mitarbeiter ein tägliches Festgehalt, das über dem liegt, das in den Oberurseler Werkstätten bezogen wird. «Bei uns sind Hektik und Stress zu bestimmten Zeiten schon belastend», räumt Monika Roth ein. Doch ihr Personal kommt damit gut klar.
Kein Wunder also, dass das Team der Oberurseler Werkstätten bereits über die Zukunft im Freibad nachdenkt. Ende Oktober läuft der dreijährige Pachtvertrag aus. Laut Ehepaar Roth gestaltete sich die Geschäftsübernahme im Freibad so positiv, dass man an einem erneuten Pachtabschluss sehr interessiert sei. Auch die Stadt kann gegen eine solche Entscheidung nichts einwenden. «Wenn der Vertrag nicht gekündigt wird, verlängert er sich automatisch um ein weiteres Jahr», erklärt Stadtrat Fischer. Wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden und werden dem Magistrat daher bald eine Verlängerung empfehlen.»
Bildunterschrift: Reinhold Wolf, Merjen Krüger, Martina Sturm, Macel Sewera und Kiosk-Chefin Monika Roth (von links) sind für den Ansturm gerüstet. Foto: Habermehl
(Heinz Habermehl)