Ein Bürgermeister als DJ Ötzi - Taunus-Zeitung (23.02.2009)
Oberursel. «Meinst Du, das ist er wirklich, der DJ Ötzi?», stupste ein Clown seine Tischnachbarin fragend an. Doch die zuckte nur die Schultern. Die Ähnlichkeit war aber wirklich auch zu frappierend. Doch nicht etwa der österreichische Schlagerstar unterhielt da das Publikum beim Karneval der Oberurseler Werkstätten für Menschen mit Behinderung, sondern der Wehrheimer Bürgermeister Gregor Sommer hatte sich als Alpen-Sänger ausstaffiert. Mit Liedern wie «Ein Stern, der deinen Namen trägt» und «Aber dich gibt’s nur einmal für mich» begeisterte er das Publikum sofort.
Fein rausgeputzt hatten sich auch die Mitarbeiter der Werkstätten. Es wimmelte nur so von Piraten, Matrosen, Cowboys und Indianern. Auch eine Hexe, ein Scheich und eine spanische Flamenco-Tänzerin hatten sich unters feiernde Volk gemischt.
Kein Wunder, denn es wurde hoher Besuch erwartet: Die Prinzessinnen Daniela I. aus Usingen, Jessica I. aus Bad Homburg, das Prinzenpaar Tina I. und Patrick I. aus Merzhausen, Prinz Ludwig I. aus Stierstadt und das Kinderprinzenpaar Marcel und Marie-Sophie aus Bommersheim gaben sich mit ihrem Hofstaat die Ehre und wurden allesamt von Landrat Krebs (CDU) mit einem neuen Exemplar des «Ordens vom lachenden Feldberg» bedacht.
Diese Zusammenkunft sei, soweit bekannt, in dieser Form die einzige Veranstaltung im Hochtaunuskreis (HTK), bei der alle Tollitäten gemeinsam auftreten würden, so Landrat Ulrich Krebs, der so dann auch in die Bütt stieg und über Vorkommnisse der Region reimte: «Närrisch ist der Taunus, wie ihr seht, ich bin gespannt, wie’s weitergeht . . .»
Charmant ging es jedenfalls in den Werkstätten weiter, denn Leonie Diehl von den Homburger Freunden des Carneval» bot einen Solotanz der Extraklasse dar. In ihrem pink-violetten Glitzer-Kostüm schmiss sie grazil ihre schlanken Beine, um im nächsten Moment schon wieder im Spagat zu sitzen. Dabei lachte sie trotz großer, körperlicher Anstrengung ihren Zuschauern herzlich ins Gesicht.
«Jetzt haben wir gesehen, dass die Homburger tanzen können, jetzt wollen wir sehen, ob die Usinger das auch können», moderierte Gregor Maier, Fachbereichsleiter Kultur des Hochtaunuskreises, kurz «Kultur-Maier» genannt, in der «Krachledernen» die Kindergarde des Usinger Karnevalvereins an. Diese brillierten mit einem rasanten Gardemarsch. Den Abschluss bildeten die Tanzbärchen des Bommersheimer Carneval Vereins zu dem Lied Amadeus von Falco.
Und dann kam das, was die Mitarbeiter der Werkstätten am liebsten mögen: der «Tanz für Jedermann». So schnell wird in keiner Diskothek die Tanzfläche gestürmt wie das in den Werkstätten geschah. «Deshalb haben wir auch auf Wunsch der Werkstätten das Programm etwas gekürzt, damit mehr Zeit zum freien Tanz für alle bleibt», erklärte Maier.
Bildunterschrift: Nein, nicht der echte! Aber Bürgermeister Gregor Sommer bewies, dass er nicht nur von der Statur, sondern auch von der Stimme her mit DJ Ötzi mithalten kann. Foto: jp
(Taunus-Zeitung)