Behinderte arbeiten mit Köpfchen - Taunus-Zeitung (04.12.2008)
Oberursel. Ökologie zahlt sich aus. Das wird auch am Beispiel der Oberurseler Werkstätten deutlich. Für das Projekt «Ökoprofit Hochtaunus» (Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelttechnik), an dem sich die Werkstätten zum ersten Mal beteiligten, hatte das Unternehmen mit externen Beratern innerhalb eines Jahres Maßnahmen entwickelt – und die meisten auch umgesetzt – die die Umwelt entlasten und Kosten einsparen.
Die beeindruckende Bilanz: Pro Jahr reduzieren die Werkstätten ihren Verbrauch um 191 666 Kilowattstunden Erdgas (11 500 Euro), 24 000 Kilowattstunden Strom (1700 Euro) und 7037 Liter Kraftstoff (9750 Euro). Dadurch werden die CO²-Emissionen jährlich um 82 599 Kilo vermindert. Zudem spart das Unternehmen pro Jahr Kosten in Höhe von 22 950 Euro. Jetzt wurden die Oberurseler Werkstätten – Arbeitgeber für gut 300 behinderte Menschen – als Ökoprofit-Betrieb zertifiziert.
Für die Werkstätten bot sich die Beteiligung vor allem deshalb an, weil geplante Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen möglichst energiesparend konzipiert werden sollten, begründet Werkstätten-Leiter Karlheinz Roth die Teilnahme an «Ökoprofit». Und «die hat sich gelohnt», bilanziert er. Für das Projekt war eine fünfköpfige Arbeitsgruppe unter Leitung von Wolfgang Kroll gebildet worden.
Ökoprofit wurde 1991 im Umweltamt der österreichischen Stadt Graz mit dem Ziel entwickelt, Energie, Wasser und Abfall einzusparen. In Deutschland nehmen inzwischen über 90 Kommunen und über 1700 Betriebe daran teil. Im Hochtaunuskreis übernahm Bad Homburg im Jahr 2004 die Vorreiterrolle. 2006 kamen die Städte Friedrichsdorf, Kronberg und Oberursel hinzu, 2007 dann Usingen. Im Jahr 2007 kamen im Hochtaunus sechs Betriebe neu hinzu. Die Beratung wird von Städten und Betrieben gemeinsam finanziert. Besonders hilfreich sei auch der Rechts-Check gewesen, der das Unternehmen nach umweltrelevanten Vorschriften überprüft, erzählt Roth.
Was wurde in den Werkstätten konkret getan? Beim Anbau des Qualifizierungszentrums wurde das Dach gedämmt. Kostenpunkt: 77 350 Euro. Zusätzlich wurden für 40 681 Euro wärmedämmende Fenster eingesetzt. Die jährliche Einsparung: 20 Prozent der Energiekosten, was 166 666 Kilowattstunden Erdgas entspricht. Das entspricht einer jährlichen Kosteneinsparung von 10 000 Euro.
Die Einsparmaßnahmen bei den Werkstätten zeigen, dass manchmal auch eine bloße Verhaltensänderung genügt, um Umwelt und Profit in Einklang zu bringen – oder dass mitunter nur eine geringe Investition anfällt, durch die dauerhaft Energie eingespart werden kann. Ein Beispiel: «Viele Rollstuhlfahrer haben beim Herausfahren die Außentüren immer offen stehen gelassen, weil es so leichter ist, ohne fremde Hilfe wieder hineinzufahren», berichtet Roth. Jetzt würden die Mitarbeiter durch Schilder darauf hingewiesen, die Türen zu schließen. Dadurch sparen die Werkstätten pro Jahr 25 000 Kilowattstunden Erdgas und damit Kosten in Höhe von 1500 Euro. Auch die Beleuchtung am Getränkeautomaten, der Tag und Nacht beleuchtet war, wurde abgestellt, und Elektrogeräte werden über eine Steckdosenleiste abgeschaltet. Die Investition von 400 Euro zahle sich schon im ersten Jahr aus, so Roth. Pro Jahr lassen sich dadurch 6000 Kilowatt Stunden Strom und damit 500 Euro sparen.
Auch den Fuhrpark hat das Unternehmen auf den Prüfstand gestellt. Ein VW-Bus wurde abgeschafft, da sich herausstellte, dass er nicht wirklich gebraucht wurde, so Roth. Zudem wurden drei Leasing- Fahrzeuge durch verbrauchsärmere ersetzt, die nur rund die Hälfte des Benzins benötigen. Einsparung: 1563 Liter Kraftstoff und 2250 Euro pro Jahr. Auch die geleasten Transportfahrzeuge wurden auf verbrauchsärmere Autos umgestellt werden. Damit kann der Kraftstoffverbrauch jährlich um 20 bis 30 Prozent (rund 5500 Liter Kraftstoff) reduziert werden. Ersparnis: 7500 Euro pro Jahr. Die Druckluftanlage soll im ersten Quartal 2009 umgebaut werden und jährlich Einsparungen von rund 20 Prozent bringen (18 000 Kilowatt Stunden Strom und 1200 Euro).
(sob)