Eintöpfe sind der Renner - Frankfurter Rundschau (28.11.2008)

Oberursel. Gestern gab es Pichelsteiner Eintopf für 3,50 Euro und Spaghetti mit Broccoli in Käsesauce für 4,20 Euro. Stammessen im Bistro "Café & more" im Gewerbegebiet Süd neben Thomas Cook und dem Mövenpick-Hotel. Der Kassierer bedankt sich mit einem kleinen Tütchen Pralinen bei jedem Gast für "fünf Jahre Treue", als Nachtisch gibt's zum Geburtstag einen warmen Apfelstrudel mit Vanillesoße auf Kosten des Hauses. Serviert mit einem freundlichen Lächeln von Mitarbeitern der Oberurseler Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Acht Frauen und Männer mit seelisch-psychischer Erkrankung schmeißen den Laden, Christine Grüter ist von Anfang an dabei. Sie und ihre Kolleginnen behalten die Ruhe, wenn fast mit dem Gongschlag um 12 Uhr mittags die Hungrigen eintreffen, die in den Betrieben im Umfeld ihrer Arbeit nachgehen. Das Bistro ist eine gefragte Adresse für ein flottes, gepflegtes und preislich korrektes Mittagessen geworden. Ein Erfolgsmodell der Integration. So sieht das Karlheinz Roth, Geschäftsführer der Oberurseler Werkstätten.

In Spitzenzeiten gehen bis zu 130 Essen täglich über die blitzende Stahltheke. Ein Eintopf ist immer dabei, der Publikumsrenner schlechthin, und ein Nudelgericht sowie Salate und belegte Brötchen. Knapp 30 Plätze auf bunten Stühlen an kleinen Tischen kann das Bistro bieten, im Sommer werden im Hof zusätzliche Tische aufgestellt. "Wir könnten 20 Plätze mehr gebrauchen", sagt Roth, einen Anbau lasse das Baurecht aber nicht zu. Die Atmosphäre ist entspannt, fast vertraut, es kommen viele Stammgäste. Nicht weil das Bistro Behinderte beschäftigt, "sondern weil wir gut sind", so Roth sichtlich stolz. Der Service der Frauen in weinroter Bluse und schwarzer Weste zur schwarzen Schürze stimmt - alles bestens, loben die Gäste. Aus der reinen Selbstbedienung anfangs wächst langsam auch ein Tisch-Service, ein ausdrücklicher Wunsch der Mitarbeiter.

In Schulungen werden sie auf ihre Arbeit vorbereitet. Verkauf, Kundenfreundlichkeit, Hygiene-Vorschriften, Service. Gemeinsam wird wöchentlich über neue Ideen und Verbesserungsmöglichkeiten gesprochen, die behinderten Menschen sind an allen Arbeitsgängen beteiligt. Und offensichtlich auch mit Freude dabei.

Bildunterschrift: Die Speisen im Bistro "Café and more" munden den Gästen. (Bild: FR/Schick)

(Jürgen Streicher)

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