Zusammenarbeit, die verbindet: Die neue Farbe ist Nebensache - Taunus Zeitung (12.07.2008)
Oberursel. Zigarettenpause vor dem Bistro der Oberurseler Werkstätten für Behinderte am Zimmersmühlenweg. Die „Maler“ stehen vor dem Haus. Gunter Buseck, im bürgerlichen Leben Produktmanager bei Thomas Cook in Meerbusch, hat ein paar Farbspritzer abbekommen. Sein Name steht auf einem Klebestreifen auf seiner Brust. Er nimmt teil an einem Fortbildungsseminar für mittlere Führungskräfte und streicht an diesem Freitag die Wände des Bistros.
Dass die Fortbildung ein gemeinsames Unterfangen mit den „Werkstätten für Behinderte“ ist, liegt an der direkten Nachbarschaft. Das Bistro ist bekannt; hier kehren auch die Cook-Mitarbeiter ein. Das Streichen des Hauses ist der praktische Teil des Seminars, das die Maßgabe „Wertschätzung, Sinnstiftung und Strukturgebung“ hat, die auch für andere Seminare gilt.
"Wir haben überlegt, was und wie wir es machen wollen“, berichtet Buseck. „Im theoretischen Teil geht es um Führungsverhalten und Kommunikation. Mit Wertschätzung ist der Umgang gemeint.“ Hier bedeutet das den Umgang mit den Mitarbeitern der Werkstätten. „Uns geht es nicht um die Farbe“, sagt der Sozialarbeiter Joachim Lischka, mit der beruflichen Rehabilitation der 400 Werkstatt-Mitarbeiter befasst, die entweder geistig oder psychisch behindert sind. „Wir sind froh,wenn sich bei der Arbeit eine Verbindung herstellt, von der soziale Akzeptanz und Integration abstrahlt. Die neue Farbe ist Nebensache.“
Der Gedanke, gemeinsam etwas anzupacken, stammt vom Unternehmen Thomas Cook, der Vorschlag, Bistro und Treppenhaus zu streichen, von den Werkstätten. Lischka berichtet: „Zunächst waren unsere Mitarbeiter zurückhaltend. Als wir eine Präsentation erstellt haben, die genau zeigte, was gemacht werden sollte, welche Räume mit welcher Farbe gestrichen werden sollen, waren sie sofort dabei. Wir sehen das Projekt als positive Herausforderung.“
Im Bistro riecht es nach Farbe. Die Wände haben einen frischen gelben Anstrich, der zum Treppenhaus hin heller wird. Auf der Treppe ist kein Durchkommen. Hier, wo sich inzwischen Grün und Weiß abwechseln, sind etwa dreißig Personen Schulter an Schulter bei der Arbeit. Die Wände sehen makellos aus, die Stimmung ist einvernehmlich, die Teams aus sechs Leuten sind gemischt.
Ursula Villanueva arbeitet seit fünf Jahren im Bistro. Sie trägt an diesem Tag dasselbe T-Shirt wie Sven Heller von Thomas Cook, der den Bistro-Dienst mit ihr teilt. Das verbindet und bringt frischen Wind in den Arbeitsalltag, wie sie sagt.
Am 26.Juli werden alle gemeinsam beim Abschiedsfest das neugestrichene Haus feiern. Mit einer Tombola, die Hotel- und Flugscheine und vieles mehr bereit hält, was die 15 von den Cook-Leuten geworbenen Sponsoren zu geben bereit sind. Diese Aufgabe war Teil ihrer Fortbildung.
Was allen bleibt, ist das Wort des Autoherstellers Henry Ford: „ Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ein Fortschritt, zusammenarbeiten ein Erfolg.“ Also mehr als nur Farbe.
Bildunterschrift: Frische Farbe gefällig? Jürgen Neumann von Thomas cook und Frank Ringhardt von den Werlstätten (vorne, von links) gehörten mit Michael Paul und Stefan Velte (hinten rechts) zum Team, das bei der Renovierung des Bistros mithalf. Foto: Storch
(mad)