Übergang in den Ruhestand - FAZ (18.03.2008)
Oberursel Werkstätten für Behinderte bauen Förderzentrum aus
Das Förderzen¬trum der Oberurseler Werkstätten an der Folkbertusstraße teilt das Schicksal vieler Provisorien: Ursprünglich einmal als Übergangslösung gedacht, um die Ka¬pazitäten des Dienstleistungszentrums im Zimmersmühlenweg zu ergänzen, hat es sich als ausgesprochen dauerhaft erwiesen. Weil das Gebäude aber ursprünglich nicht zu diesem Zweck errichtet worden war, ist das Förderzentrum für Menschen mit Behinderung jetzt für 125.000 Euro umgebaut worden. Außer breiteren Türen, durch die endlich auch ein Rollstuhl passt, der mit einem Lift versehenen neuen Treppe oder hellen Farben an den Wänden hat das Förder¬zentrum aber auch zusätzliche Aufga¬ben bekommen. Dies spiegelt sieh in der neuen Raumaufteilung.
Neben dem großen Erdgeschossraum für die Produktion, in dem die bis zu 40 Mitarbeiter zum Beispiel Sortier- und Steckarbeiten für private Auftragge¬ber übernehmen, gibt es jetzt im hinte¬ren Teil des Gebäudes die Möglichkeit, sich zurückziehen und zu entspannen. Auch ihre geistigen und sprachlichen Fä¬higkeiten können die zum Teil mehrfach behinderten Menschen dort trainieren. Der Keller, der dank der breiteren Trep¬pe viel besser zu erreichen ist, dient nicht mehr nur als dunkle Abstellkammer. Er ist so unterteilt worden, dass ne¬ben mehreren Umkleiden ein großer Therapieraum entstanden ist. Hier ist Platz für krankengymnastische Übun¬gen, und auf einem Laufband mit einer Sicherheitseinrichtung kann mancher, der sonst auf den Rollstuhl angewiesen ist, die ersten Schritte wagen und die Beinmuskeln trainieren.
Die neuen, die Arbeit ergänzenden Angebote, sind nach Worten von Be¬triebsleiter Karl-Heinz Roth vor allem für Menschen gedacht, die älter und stark leistungseingeschränkt sind. Ihnen soll damit der Übergang in den Ruhestand erleichtert werden. Denn auch die Oberurseler Werkstätten müssen sich darauf einstellen, dass die Lebenserwartung behinderter Menschen steigt und sie deshalb länger am Arbeitsplatz bleiben möchten. Doch auch jüngere, mehrfach behinderte Menschen, die noch nicht in
einer Werkstatt arbeiten konnten, sollen in der Tagesförderstätte auf den Be¬rufsbildungsbereich oder eine feste Tä¬tigkeit vorbereitet werden. Der Ruhe¬raum, aber auch Kreativangebote wie Malen, Basteln oder Töpfern erweitern dabei die Fördermöglichkeiten.
Die Oberurseler Werkstätten ein Eigenbetrieb des Hochtaunuskreises mit 450 Mitarbeitern an verschiedenen Standorten, darunter im integrativen Werkstattladen „Schawellsche" im Hessenpark oder dem Bistro im Freibad Friedrichsdorf. Seit 1971 sind sie aber der größte Arbeitgeber für Menschen mit Behinderung im Kreis. Landrat Ulrich Krebs (CDU) zeigte sich gestern bei der Eröffnung des umgestalteten Förderzen¬trums überzeugt davon, dass das neue Angebot zum guten Ruf der Werkstätten beitragen werde.
Finanziert wurden die Arbeiten vor allem über Spenden, und Clemens Jochum, bei der Deutschen Bank weltweit für die Rechenzentren zuständig, über¬gab zu diesem Zweck einen Scheck über 26.000 Euro. Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) erinnerte an den zweiten integrativen Zimmersmühlenlauf im vergangenen Jahr, dessen Erlös ebenfalls dem Umbau zu gute kam. Der Lauf mit 761 Teilnehmern zeige, wie sehr die Oberurseler Behinderteneinrichtungen Kontakte in die Privatwirtschaft und die Bevölkerung pflegten, sagte Brum.
(bie)