427 Läufer für Integration - Taunus Zeitung (02.09.2006)

Oberursel. Beim Startschuss des Integrationslaufs preschten die Mitarbeiter der Oberurseler Werkstätten im vollen Sprint nach vorn. Insgesamt 46 von ihnen machten sich, zum Teil begleitet von Betreuern, auf die 1,5 Kilometer lange Strecke durch das Gewerbegebiet im Zimmersmühlenweg. Insgesamt nahmen am ersten von den Werkstätten veranstalteten integrativen Zimmersmühlenlauf 427 Menschen teil. Außer dem Integrationslauf standen noch ein Jedermann-Lauf (6 Kilometer) und Nordic Walking (3 Kilometer) auf dem Programm.

Auch Werkstättenleiter Karlheinz Roth beteiligte sich an dem von Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) gestarteten Wettrennen. Allerdings brach er bereits nach einer Runde ab: „Drei Bandscheibenvorfälle im vergangenen Jahr schränken mich ein wenig ein“, betonte er. Dennoch war Roth begeistert vom Erfolg der Veranstaltung: „Wir hatten mit maximal 200 Teilnehmern gerechnet, jetzt sind doppelt so viele erschienen. Das ist einfach wunderbar“, freute er sich.

Wunderbar war auch die Atmosphäre auf der 1,5 Kilometer langen Strecke und im Zielbereich vor den Werkstätten. Jeder feuerte jeden an, schon nach kurzer Zeit vermischten sich die Teilnehmer der drei verschiedenen Läufe. So mancher Teilnehmer wurde nach der ersten Runde etwas langsamer, um Gespräche zu führen, und war, bei allem Ehrgeiz, vor allem an der verbindenden Idee interessiert. Die Walker gingen mit oder ohne Stock, manche Läufer mussten nach dem hohen Anfangstempo aufgrund von Seitenstichen kürzer treten.

Mit großen Schritten hechtete die Spitzengruppe des Integrationslaufs dann über die Ziellinie – nach rund sechs Minuten, wie Moderator Florian Rau betonte. Allerdings wurden die Zeiten nicht gestoppt, um den Wettbewerbscharakter nicht unnötig anzuheizen. Zu den Siegern zählte auf jeden Fall Roman (21), der nach seiner Runde freudestrahlend im Ziel ankam: „Ich bin einfach so losgelaufen, und es war toll“, teilte er begeistert mit. Auch Herbert (21) drehte nach dem Zielstrich so richtig auf. Minutenlang stand er am Straßenrand und feuerte die vorbeilaufenden Teilnehmer an. Bruno (19) hingegen war sichtlich erschöpft. Kaum im Ziel angekommen, rutschte er am Zaun herab und holte erstmal ein paar Minuten Luft.

Zu dieser Zeit waren die Spitzenreiter des Jedermann-Laufs bereits zum zweiten Mal durchs Ziel gekommen. Triathletin Sandra Krücke und Christian Spaich (TSG Oberursel) bewältigten ihre vier Runden in weniger als 20 Minuten. „Es war einfach eine tolle Sache, hier mitzulaufen“, berichtete Krücke. Bei den Walkern erreichten Sabine und Oliver Sterner als Erste das Ziel.

Außer diversen Unternehmen waren auch rund 20 Mitarbeiter der Stadt Oberursel, 14 Gastläufer der Verwaltung aus Steinbach sowie 16 Starter der Kreisverwaltung unter den Teilnehmern. Die größte Gruppe stellte die Thomas Cook AG mit 91 Läufern.

Bürgermeister Brum freute sich über das Engagement seiner Kollegen. „Wir haben ja eine sehr aktive Laufgruppe im Rathaus“, sagte er. „Und wenn es heute nicht zwei Hochzeiten von Kollegen gegeben hätte, wären noch mehr gekommen.“ Ob bei den Hochzeiten eine bessere Stimmung geherrscht hat als beim Integrationslauf, ist allerdings fraglich. Noch lange nach dem letzten Zieleinlauf feierten die Menschen gemeinsam die gelungene Premiere.

Mit den Einnahmen aus dem Startgeld wollen die Werkstätten übrigens Projekte der Tagesförderstätte finanzieren. „Es hat vor dem Lauf eine Teamsitzung gegeben“, berichtete Werkstättenleiter Roth. „Was genau es wird, weiß ich noch nicht. Es wird sich aber um therapeutische Geräte und Spielmaterial handeln“, betonte er.

Bildunterschriften: Kirstin Vlk führte die Läufergruppe an (Foto oben). Die Strecke führte durchs Gewerbegebiet am Zimmersmühlenweg. Auch Rollstuhlfahrer Alex Kull (Foto Mitte) genoss das Ereignis. Er wurde begleitet von Christoph Haas. Fotos: Priedemuth

(Gerrit Stolte)

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